Ein Kessel Buntes und monochrome Klarheit: Janosch und Olaf Heine in der Rostocker Kunsthalle

Am Sonntag habe ich mir in der Rostocker Kunsthalle die Ausstellung von Janosch und Olaf Heine angesehen. Kontrastreicher kann eine Ausstellung kaum gehängt werden. Respekt – die Kuratoren haben hier echten Mut bewiesen. Auf der einen Seite zeigt sich die bunte, farbenfrohe Welt von Janosch, auf der anderen Seite stehen die schwarz-weißen, fast monochrom wirkenden Fotografien und Videos von Olaf Heine.

Beim Besuch der Janosch-Ausstellung zaubert sich den Gästen oft unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht, nicht selten begleitet von einem Ausruf der Freude wie „Oh“ und „Ah“, wenn eine der altbekannten Illustrationen Erinnerungen weckt. Visuell wird das Auge bei Janosch stark gefordert; es gilt eine Flut an Informationen zu verarbeiten. Blumen, Wolken, Blumenkohl und Salzkartoffeln – ein wahrer „Kessel Buntes“ ist hier für die Augen angerichtet.

Dann die Fotografien und Videos von Olaf Heine: gefühlt das krasse Gegenteil. Klar, minimalistisch, reduziert, kühl. Inszeniert? Der Betrachter kann sie mit einem einzigen, fokussierten Blick in ihrer Gesamtheit erfassen. Doch wo Janosch mit bunten Farben und Formen schmeichelt, wird das Publikum bei Olaf Heine herausgefordert, sich intensiv mit dem Motiv auseinanderzusetzen und es zu hinterfragen.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht erkennbar ist: Beide Künstler eint eine fundamentale gemeinsame Botschaft. Sie fordern uns auf, hinzusehen und kritisch zu bleiben.

In seinen Werken thematisiert Olaf Heine gesellschaftliche Missstände, unter anderem die Digitalisierung der Fotowelt und den flüchtigen Konsum in den digitalen Medien. Als Gegenentwurf entschleunigt er seine Bilder: Er nimmt sich bewusst Zeit, um das Foto reifen zu lassen, und schenkt dem Motiv den nötigen Raum, um sich entfalten zu können.

Janosch wiederum zeigt uns in all seiner Farbenpracht und durch das geschriebene Wort, dass wahre Freundschaft und Toleranz selbst in Zeiten von Social Media funktionieren können. Dafür treten der kleine Tiger und der kleine Bär immer wieder den Beweis an – völlig egal, wie groß die Unterschiede zwischen ihnen auch sein mögen.

Für mich ist dies eine rundum gelungene Ausstellung. Der Kunsthalle Rostock ist es meisterhaft gelungen, mit zwei völlig unterschiedlichen Kunstkonzepten eine einzige, kraftvolle Botschaft zu vermitteln:

Hinschauen lohnt sich!