
Ein Kamp-Gespräch mit Roland Völcker, Leiter für Tourismus und Kultur Bad Doberan und Heiligendamm. Ein Interview für Sprachrohr.blog.
Pünktlich um 10.00 Uhr kommt Roland Völcker mir auf dem Kamp in Bad Doberan entgegen. Offenes Haar, direkter Blick, ein Gang voller Energie. Für mich beginnt ein besonderer Moment: Mein erstes Live-Interview für sprachrohr.blog.
Nach einem kurzen Hallo gehen wir, locker plaudernd, auf eine weiße Parkbank zu, die unter einer mächtigen Rotbuche steht – würdevoll und geschichtsträchtig. Ich frage mich, ob sie in einigen Jahren auch von meinem ersten Interview erzählen wird.
Roland Völcker zeigt sich offen und interessiert an meinem Blog, und wir tauschen uns kurz aus, bevor wir in die Fragen einsteigen. Das kurze Vorgespräch löst bei mir die Spannung, schafft Vertrauen und öffnet den Weg für ein entspanntes Interview.
„Hier wurde kein Pflichttermin wahrgenommen“
Das Interview
Herzlich willkommen zu meinem Blog Sprachrohr.blog! Ich darf heute Roland Völcker begrüßen, seit Mai Leiter für Tourismus und Kultur in Bad Doberan und Heiligendamm.
Ich freue mich, dass Ihr enger Terminkalender Platz gelassen hat für einen kleinen Schnack hier auf der Parkbank am Kamp in Bad Doberan.
Sprachrohr.blog:
Es geht mir jetzt erst mal um den ersten Einblick von Ihrer ersten Saison, wie Sie Bad Doberan erlebt haben und was vielleicht Ihr persönliches Highlight in Bad Doberan – was die Saison betrifft – war.
Roland Völcker:
Schönen Dank, dass Sie mich eingeladen haben, um Ihren Blog zu bereichern.
Ich habe am 1. Mai angefangen und blicke natürlich erst auf einen recht kurzen Zeitraum zurück. Als Rostocker kenne ich Bad Doberan zwar schon ganz gut, aber wenn man dann täglich beruflich hierzu tun hat, fällt eines sofort auf: Es ist ein äußerst lebendiger Ort. Wir haben hier eine lebendige Kleinstadt mit einer hohen Bürgerlichkeit und einem enormen Engagement in vielen Facetten. Das macht es nicht nur für die Einwohner lebenswert, sondern auch für uns in der touristischen Arbeit viel leichter. Die Gäste, die zu uns kommen und die wir gezielt ansprechen wollen, suchen schließlich ein authentisches Erlebnis und ein echtes, ehrliches Tourismusprodukt – und da hat Bad Doberan unglaublich viel zu bieten.
Wir sitzen ja heute hier am Kamp auf einem besonders lauschigen Plätzchen. Man sieht zwar gerade viele Baustellen und hört aktives Treiben rund um den Pavillon, aber man spürt hier sofort dieses besondere Flair. Der ehemalige Festplatz – der auch heute beim Kinderfest und vielen kleineren Veranstaltungen ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Gäste ist – zeigt wunderbar, wie hier das kulturelle Erbe gepflegt und lebendig gehalten wird.
Das historische Erbe von Bad Doberan und Heiligendamm
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Weshalb ist Ihre Vision den Tourismus in Bad Doberan breiter aufzustellen? Und wie wichtig ist der Tagestourismus für den Ort?
Roland Völcker:
Bad Doberan und Heiligendamm bringen ein extrem starkes historisches Erbe mit.
Da ist zum einen die Klosteranlage mit seiner Klosterkirche dem Doberaner Münster. Die gotische Backsteinkirche ist mit seiner fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Innenausstattung von ganz internationalem Rang – ein absolutes Highlight, das heute schon viele Gäste anzieht. Zum anderen haben wir mit Heiligendamm das 1793 gegründete erste deutsche Seebad, das mit seiner mondänen Herzogsgeschichte und den klassizistischen Bauten europaweite Strahlkraftbesitzt. Genau diese einzigartigen, kulturhistorischen Pfade und Geschichten sind es, die Gäste ansprechen, wenn sie eben keinen reinen 08/15-Badeurlaub im Hochsommer suchen. Das ist der Hebel für eine echte Saisonverlängerung.
Bislang haben wir bei internationalen Gästen noch viel Luft nach oben, aber das Potenzial istabsolut da. Wir arbeiten hier im Auslandsmarketing eng mit der MV Tourismus GmbH zusammen, um gezielt skandinavische Märkte, aber auch Gäste aus Österreich, der Schweiz, dem süddeutschen oder norditalienischen Raum anzusprechen. Klar, als kleinerer Kurort haben wir keine unerschöpflichen Übernachtungskapazitäten, aber wir haben einen enormen Hebelüber den Tagestourismus: Allein 120.000 Besucher verzeichnen wir jährlich im Doberaner Münster.
Wenn es uns gelingt, diese Menschen auch für Angebote außerhalb der Klostermauern und in der herbstlich-winterlichen Stadt zu begeistern, schaffen wir eine wunderbare Basis für den Ganzjahrestourismus.
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Das klingt gut und vielversprechend. Jetzt meine Frage: 120.000 Besucher im Doberaner Münster – habe ich das richtig verstanden?
Roland Völcker:
Ja, 120.000 Besucher. Vor Corona waren es sogar mehr. Aktuell sind die Zahlen wieder steigend.
Sprachrohr.blog:
Wie bekommt Bad Doberan diesen Tagestourismus abgedeckt? Bleiben wir malbei den Besucherzahlen – wie schlägt sich das in der Gastronomie und im Einzelhandelnieder? Sehen Sie da noch Verbesserungspotenzial, ist das bereits ausreichend, oder wo sehen Sie aus Ihrer Sicht die wichtigsten Stellschrauben für den Tagestourismus?
Roland Völcker:
Wir haben da tatsächlich eine Schwäche, wo wir nachbessern müssen, wenn wirdie Verweildauer der Gäste erhöhen möchten. Das ist die nüchterne Wahrheit: Viele Gäste kommen mit dem Reisebus, schauen sich das Münster an, steigen wieder ein und fahren ab.
Da müssen wir ansetzen. Wir brauchen ein attraktiveres Klosterareal, das auch im Busreisen Segment Angebote schafft – etwa gastronomische Kapazitäten, die eine Gruppe von 40 bis 50 Personen auf einen Schlag bedienen können. Vor allem brauchen wir eine höhere Aufenthaltsqualität, damit nicht nur das Doberaner Münster gesehen wird, sondern die gesamte Klosteranlage. Die ist in sich geschlossen, besitzt noch fast eine vollständige Klostermauer und ist ein einzigartiges historisches Erbe, das man in dieser Form europaweit nur selten findet.
Die große Frage ist: Wie schaffen wir die Wechselbeziehung? Wie bekommen wir die Gäste vom Klosterareal in die Innenstadt, damit sie dort flanieren, den Einzelhandel stärken, unsere Kunstgalerien und Künstlerateliers besuchen? Wie sorgen wir dafür, dass die gesamte Stadt von diesen Besucherströmen profitiert?
Dafür braucht es sehr gute Ideen, die wir in dieser Form jetzt leider noch nicht alle parat haben. Da müssen wir sehr intensiv zusammenarbeiten: mit der Stadtvertretung, der Stadtverwaltung, dem Klosterverein, der Kirchgemeinde, der Münsterverwaltung und natürlich mit den anderen Akteuren wie den „Stadtmachern“. Wir müssen sowohl die Qualität als auch die Angebotsquantität deutlich verbessern. Dazu sind natürlich auch Investoren und engagierte Bürger gefragt, die hier das eine oder andere anpacken.
Sprachrohr.blog:
Wie sehen Sie persönlich den Branchenmix für ein internationales Publikum? Ist das, was wir anbieten, schon bereit für den internationalen Tourismus, oder müssen wirauch da am Branchenmix noch etwas verbessern oder ausbauen?
Roland Völcker:
Was wir brauchen, ist wirklich eine starke Gastronomie direkt auf dem Klosterareal.
Dafür würde sich in erster Linie das historische Wirtschaftsgebäude anbieten. Wenn ich einen Wunsch frei hätte und einen Investor an der Hand, der hier investieren möchte: Ich sähe da in erster Linie wirklich eine Brauerei.
Das wäre authentisch, man könnte ein gutes, eigenes Klosterbier anbieten und die Stadt damit über die Region hinaus bekannt machen – das würde sich absolut lohnen. Kleine, feine Brauereien zeigen ja, wie das geht: Nehmen wir zum Beispiel die Störtebeker Brauerei, die aus kleineren Anfängen heraus durch einen cleveren Marketing- und Produktmix zu einem großen Player in Deutschland geworden ist. Natürlich ist das ein ganz anderer Maßstab, aber ein authentisches Brauerei-Angebot aus Bad Doberan mit einer eigenen Marke, das wäre natürlich ein Traum, den ich als Touristiker hätte.
Vielleicht geht da noch was! Nichts ist unmöglich – man sollte da einfach offenbleiben, solche Gedanken zulassen und sich nicht sofort von wirtschaftlichen Hürden abschrecken lassen.
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Das ist ein wunderbarer Gedanke. Ein Brauhaus direkt vor Ort – es gibt ja viele kleinere Brauhäuser, zum Beispiel in Kühlungsborn, die zeigen, dass so ein Konzept durchaus Hand und Fuß hat.
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Was fasziniert Sie persönlich an Ihrer Aufgabe als Leiter für Tourismus und Kultur
in der Stadt Bad Doberan?
Roland Völcker:
Meine touristische Laufbahn umfasst ja nun schon fast 25 Jahre in leitendenPositionen – ob als Kurdirektor in einem Ostseebad, beim Landestourismusverband oder auch selbstständigen Projekten im Eventbereich und Kulturtourismus. Das Thema Kultur und Geschichte ist für mich – vielleicht auch durch mein Studium geschuldet – schon immer ein ganz großes Herzensthema. Das hat mich früher schon begeistert, und ich finde es einfach unglaublich beeindruckend, solche Themen als Touristiker bespielen zu können.
Sie in die Vermarktung mit einzunehmen, darauf aufmerksam zu machen, Gäste dafür zu gewinnen und das touristische Leben mitzugestalten – das ist eine unheimlich vielfältige und anspruchsvolle Aufgabe. Genau das hat mich gereizt. Ich hoffe, dass ich in den nächsten 10 Jahren so viel Akzente setzen kann, dass die Stadt auf lange Sicht davon profitiert. Da möchte ich meinen Beitrag leisten, und ich hoffe auf eine starke Unterstützung aus der Stadtvertretung und der Stadtverwaltung, damitwir gemeinsam einen Weg und eine strategische Perspektive entwickeln, mit der dieser Ort weit über sein historisches Erbe hinaus zukunftsfähig bleibt.
Wunderbar, vielen Dank, Herr Völcker. Vielen Dank für Ihre Zeit, ich wünsche Ihnen viel Kraft und ein glückliches Händchen. Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch wurde am 27.08.2026 live geführt und aufgezeichnet. Für die schriftliche Veröffentlichung wurde es behutsam gekürzt und redaktionell bearbeitet. Vor der Veröffentlichung wurde der Text vom Interviewpartner freigegeben.
Schlusgedanke
Das Gespräch mit Roland Völcker war direkt, offen und bereichernd. Hier wurde kein Pflichttermin wahrgenommen, sondern echtes Interesse am Dialog gezeigt. Gleichzeitig zeigte Roland Völcker sich: präsent, klar, ohne Fassade. Dieses erste Live-Interview war damit weniger Prüfung für mich sondern Bestätigung, dass gute Gespräche entstehen, wenn beide Seiten sich wirklich darauf einlassen.
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